Nördlich von Graz: Steiermark erhält neuen Güterterminal in Peggau

Die Steiermark erhält einen neuen Güter-Terminal. Bild: Symbolbild
Die Steiermark erhält einen neuen Güter-Terminal. Bild: Symbolbild

In Peggau, nördlich von Graz, entsteht auf einem bestehenden Industrieareal ein neuer intermodaler Güterterminal. Alpacem, InterCal und der Bahnlogistiker Innofreight wollen den „Terminal Peggau“ zu einer Logistikdrehscheibe für den Norden des Großraums Graz und den obersteirischen Wirtschaftsraum ausbauen. Ziel ist es, mehr Güter von der Straße auf die Schiene zu verlagern – im Schulterschluss mit der neuen Koralmbahn und dem bestehenden Cargo Terminal Graz im Süden von Graz.

1. Kurzüberblick: Was in Peggau geplant ist

Der neue Terminal Peggau ist ein klassisches Infrastrukturprojekt „mit Hebelwirkung“ für die gesamte Steiermark:

  • Standort: Marktgemeinde Peggau (Bezirk Graz-Umgebung), direkt an der Südbahn, mit Anbindung an die Schnellstraße S35 – wenige Zugminuten nördlich von Graz.
  • Projektpartner: Alpacem (Zement), InterCal (Kalk, Teil der Wietersdorfer-Gruppe) und der Bahnlogistiker Innofreight.
  • Fläche: rund 2,7 Hektar bisher kaum genutztes Betriebsareal werden zu einem intermodalen Terminal (Straße–Schiene) umgebaut.
  • Funktion: multifunktionale Logistikdrehscheibe für Schüttgüter, Container und künftig weitere Güterarten.
  • Startschuss: offizieller Projektstart am 21. November 2025, im Beisein der steirischen Politikspitze.
  • Baubeginn: Abriss alter Gebäude und erste Bauarbeiten ab Anfang 2026.
  • Geplanter Betriebsstart: erste Containerzüge Mitte 2027, danach schrittweiser Ausbau.
  • Strategische Einbettung: Anbindung an Südbahn, Koralmbahn und die großen Güterknoten im Süden (Cargo Terminal Graz) sowie an Adriahäfen wie Koper und Triest.

 

2. Harte Fakten zum neuen Güterterminal

Aspekt Details (Stand November 2025)
Projektname Terminal Peggau – intermodaler Güterterminal nördlich von Graz
Ort Peggau, Bezirk Graz-Umgebung (Steiermark), direkt an der Südbahn, nahe Anschlussstelle S35
Fläche ca. 2,7 ha bestehendes, bisher kaum genutztes Betriebsareal
Projektpartner Alpacem Zement, InterCal Austria (Kalk, Wietersdorfer-Gruppe) und Innofreight (Bahnlogistiker)
Offizieller Startschuss 21. November 2025, mit Landeshauptmann und Verkehrslandesrätin vor Ort
Baubeginn Abriss nicht mehr genutzter Gebäude ab Anfang 2026, danach Gleisbau und Terminalinfrastruktur
Geplanter Start Terminalbetrieb Mitte 2027: erster Containerzug; weitere Ausbaustufen in den Folgejahren
Anbindung Schiene Südbahn (Achse Bruck an der Mur – Graz – Süden), perspektivische Anbindung an die Koralmbahn via Graz
Anbindung Straße Schnellstraße S35 (Graz–Bruck), Verbindung zur Pyhrn Autobahn A9 und damit zum überregionalen Straßennetz
Hauptgüter Zement, Kalk und andere Baustoffe, später auch weitere Rohstoffe und Containerverkehre
Zielregion Norden von Graz und obersteirischer Wirtschaftsraum; Anschluss an internationale Korridore Richtung Adria und Zentraleuropa
Strategisches Ziel Verlagerung von Gütern von der Straße auf die Schiene, CO₂-Reduktion, Absicherung und Ausbau regionaler Arbeitsplätze

 

3. Warum der Standort nördlich von Graz so spannend ist

3.1 Bestehendes Industrieareal wird zum Logistik-Hub

Das Areal in Peggau ist seit mehr als 130 Jahren ein Industriestandort, an dem heute vor allem Zement- und Kalkprodukte hergestellt werden. Genau dieses bestehende Werk wird nun zum Ausgangspunkt für den neuen Terminal: Ein Teil des Industrieareals, der bislang kaum genutzt wurde, wird zur modernen Umschlagsanlage umgebaut. Das ist aus Sicht von Raumordnung und Nachhaltigkeit ideal – es wird kein neues „Grünland“ versiegelt, sondern vorhandene Infrastruktur aufgewertet.

Durch den Terminal kann die bestehende Bahnlogistik von Alpacem und InterCal gebündelt und erweitert werden. Gleichzeitig entstehen Kapazitäten für weitere Unternehmen, die bisher keinen direkten Zugang zum Schienennetz hatten, etwa Betriebe aus dem Norden von Graz oder dem oberen Murtal.

 

3.2 Anbindung an Südbahn, Koralmbahn und europäische Korridore

Peggau liegt direkt an der Südbahn, der zentralen Nord–Süd-Achse der Ostalpen. Über Graz ist der Standort mit der neuen Koralmbahn verknüpft, auf der seit Anfang November 2025 die ersten Güterzüge zwischen Graz und Villach unterwegs sind. Die neue Flachbahn erhöht die Kapazität der Südachse um rund 30 Prozent und verkürzt Fahrzeiten deutlich – ein massiver Vorteil für Güterverkehre zwischen Steiermark, Kärnten und den Adriahäfen.

Gemeinsam mit dem Cargo Terminal Graz im Süden und dem Terminal Peggau im Norden entsteht damit ein „Doppel-Knoten“ im Zentralraum Graz: Wer Waren aus der Steiermark in Richtung Alpen-Adria-Raum, Deutschland oder CEE-Staaten verschicken will, bekommt mehr Flexibilität, Kapazität und Anschluss an den europäischen Ostsee–Adria-Korridor.

 

4. Zeitplan: Vom Abriss zum ersten Containerzug

  1. Ende 2025: Offizieller Startschuss, Präsentation des Projekts, Abschluss der Planungsphase und Behördenverfahren.
  2. Ab Anfang 2026: Abriss nicht mehr genutzter Bestandsgebäude auf dem 2,7 Hektar großen Areal, Freimachung der Flächen für Terminal und Gleise.
  3. 2026–2027: Ausbau der Gleisanlagen, Errichtung der Umschlagsinfrastruktur (Krananlagen, Lagerflächen, Zufahrten, Terminalgebäude) und Testbetrieb.
  4. Mitte 2027 (geplant): Abwicklung des ersten Containerzuges über den neuen Terminal – zunächst mit Fokus auf die Verkehre der Projektpartner.
  5. Ab 2027/2028: schrittweiser Ausbau der Kapazität, Öffnung für weitere Verlader und Branchen, stärkere Einbindung in internationale Zugsysteme.

Wichtig: Es handelt sich um einen ambitionierten, aber realistischen Zeitplan. Wie bei großen Infrastrukturprojekten üblich, können Genehmigungen, Marktbedingungen oder Baufortschritt zu Verschiebungen führen.

 

5. Auswirkungen auf Verkehr, Klima und Region

5.1 Entlastung für Straßen im Norden von Graz

Der Norden des Grazer Beckens ist heute stark vom Lkw-Verkehr geprägt: Baustofftransporte, Schwerverkehr durch Ortszentren und Pendlerströme belasten Straßen und Anrainerinnen und Anrainer. Mit dem Terminal Peggau können Güter, die heute per Lkw bis zu weit entfernten Umschlagpunkten transportiert werden, direkt vor Ort auf die Schiene verladen werden.

Für die Gemeinde Peggau bedeutet das langfristig: weniger Lkw-Durchfahrten im Ortsgebiet, mehr Verkehr auf Schiene und Autobahnzubringer – und damit eine bessere Trennung von Schwerverkehr und lokaler Alltagsmobilität.

 

5.2 Baustein der steirischen Logistik- und Klimastrategie

Die Steiermark setzt seit Jahren auf den Ausbau klimafreundlicher Schieneninfrastruktur: Koralmbahn, Semmering-Basistunnel, zweigleisige Ausbauten und das bereits bestehende Cargo Terminal Graz sind wesentliche Elemente dieser Strategie. Der neue Terminal Peggau fügt sich nahtlos ein: Er vergrößert die „Einzugszone“ der Bahnlogistik im Norden und erschließt zusätzliche Industriebetriebe für den Schienengüterverkehr.

Schon heute zeigen Berechnungen am Cargo Terminal Graz, dass ein Containertransport per Bahn im Vergleich zur reinen Lkw-Fahrt je Relation hunderte Kilogramm CO₂ einspart. Überträgt man diese Effekte auf die künftigen Verkehre über Peggau, wird klar: Jeder zusätzliche Zug ist ein Beitrag zur Erreichung der österreichischen Klimaziele im Verkehrssektor.

 

6. Einordnung: Ergänzung statt Konkurrenz zum Cargo Terminal Graz

Wichtig für die regionale Diskussion: Der Terminal Peggau soll das Cargo Terminal Graz im Süden nicht ersetzen oder schwächen, sondern ergänzen. Das Cargo Terminal Graz zählt bereits heute zu den größten Güterverkehrszentren Europas, mit über 100 Hektar Fläche, modernster Umschlagtechnik und einer Jahreskapazität von bis zu rund 770.000 TEU.

Während der große Knoten in Werndorf vor allem internationale Containerströme über Adriahäfen, Deutschland und CEE bündelt, richtet sich Peggau stärker an Unternehmen im Norden von Graz und im obersteirischen Raum, die bislang keinen direkten Zugang zu einem intermodalen Terminal hatten. Politische Vertreterinnen und Vertreter betonen, dass Peggau zusätzliche Firmen zum Umstieg auf die Schiene motivieren soll – nicht zuletzt mittelständische Betriebe, die mit kleineren, aber regelmäßigen Gütermengen arbeiten.

 

7. Stimmen zum Projekt

  • Lutz Weber (Geschäftsführer Alpacem und InterCal): Er beschreibt den Terminal Peggau als Chance, die bestehende Bahnlogistik deutlich auszubauen. Die neue Infrastruktur soll helfen, mehr Güter auf die Schiene zu bringen, CO₂-arme Transportlösungen zu stärken und den Standort langfristig abzusichern.
  • Peter Wanek-Pusset (Eigentümer Innofreight): Der Bahnlogistiker sieht im Projekt eine Gesamtlösung für die Standorte von Alpacem und InterCal – und gleichzeitig einen Mehrwert für die gesamte Region. Das Zusammenspiel von Familienunternehmen und Logistikspezialisten solle ein langfristig tragfähiges Terminal schaffen.
  • Landeshauptmann (Steiermark): Aus Sicht der Landespolitik ist der Terminal Peggau ein Beispiel dafür, wie traditionsreiche Industriebetriebe sich neu ausrichten und die Chancen großer Infrastrukturprojekte wie Koralmbahn und Semmering-Basistunnel nutzen.
  • Verkehrslandesrätin: Der neue Terminal wird explizit nicht als Konkurrenz zum Cargo Terminal Graz gesehen, sondern als ergänzender Knoten im Norden. Ziel sei es, zusätzliche Transporte von der Straße auf die Schiene zu verlagern und die regionale Wirtschaft zu stärken.
  • Bürgermeister von Peggau: Auf Gemeindeebene hofft man auf weniger Schwerverkehr durch das Ortszentrum, zusätzliche Arbeitsplätze und eine langfristige Aufwertung des Industriestandorts – bei gleichzeitig besserer Einbindung in das überregionale Verkehrsnetz.

 

8. Was das für Unternehmen in der Steiermark konkret bedeutet

Für Betriebe in der Steiermark – besonders nördlich von Graz – eröffnet der Terminal Peggau neue Möglichkeiten:

  • Direkter Bahnzugang: Unternehmen, die bisher rein mit Lkw arbeiten, können künftig Container oder Spezialbehälter in Peggau auf die Schiene bringen, ohne eigene Gleisanschlüsse bauen zu müssen.
  • Intermodale Konzepte: Projekte wie der „Montainer“ von InterCal zeigen, dass Güter in einem einzigen Spezialcontainer vom Elektro-Lkw direkt auf den Zug wechseln können, ohne Umladen – ideal für durchgehend klimafreundliche Lieferketten.
  • Planungssicherheit und Kapazität: Durch Kombination von Terminal Peggau und Cargo Terminal Graz stehen mittel- und langfristig deutlich mehr Schienenkapazitäten für steirische Unternehmen zur Verfügung.
  • Kostenvorteile: Gerade auf längeren Strecken können Bahntransporte bei steigenden Maut- und CO₂-Kosten des Straßenverkehrs wirtschaftlich attraktiver werden.
  • Wettbewerbsvorteil bei Nachhaltigkeit: CO₂-arme Transporte werden zunehmend zum Kriterium in Ausschreibungen. Ein Bahnterminal „vor der Haustür“ ist hier ein klares Plus.

 

9. FAQ zum neuen Güterterminal Peggau

Wo genau entsteht der neue Güterterminal?

Der Terminal Peggau entsteht auf einem rund 2,7 Hektar großen Industrieareal in der Marktgemeinde Peggau (Bezirk Graz-Umgebung), direkt an der Südbahn. Über die S35 ist der Standort mit der A9 und damit dem österreichischen Autobahnnetz verbunden.

Wer steckt hinter dem Projekt?

Projektpartner sind Alpacem (Zement), InterCal (Kalk, Teil der Wietersdorfer-Gruppe) und der Bahnlogistiker Innofreight aus Bruck an der Mur. Unterstützt wird das Projekt politisch von Land Steiermark und Gemeinde Peggau.

Ab wann wird der Terminal in Betrieb sein?

Nach dem offiziellen Startschuss Ende 2025 beginnen 2026 Abriss und Umbau des Areals. Der erste Containerzug soll – vorbehaltlich Genehmigungen und Baufortschritt – Mitte 2027 über den neuen Terminal abgewickelt werden. Danach sind weitere Ausbauschritte vorgesehen.

Wird das Cargo Terminal Graz dadurch weniger wichtig?

Nein. Der Terminal Peggau ist als Ergänzung gedacht. Während das Cargo Terminal Graz ein europäischer Großknoten mit hoher Containerkapazität bleibt, fokussiert Peggau stärker auf den Norden des Zentralraums Graz und den obersteirischen Wirtschaftsraum. Beide Standorte sollen zusammenarbeiten, um mehr Transporte auf die Schiene zu holen.

Welche Branchen profitieren besonders?

Zu den ersten Profiteuren zählen Baustoff- und Rohstoffunternehmen (Zement, Kalk, Gestein), Holz- und Papierindustrie sowie Energie- und Stahlbranche. Mittelfristig können auch andere Sektoren – etwa Maschinenbau, Chemie oder Konsumgüter – den Terminal nutzen, sofern sich entsprechende Zugsysteme etablieren.

Welche Rolle spielt die Koralmbahn?

Die Koralmbahn schafft schnellere und leistungsfähigere Verbindungen zwischen Graz, Kärnten und den Adriahäfen. Damit werden Bahntransporte attraktiver und kalkulierbarer. Der Terminal Peggau kann diese neue Infrastruktur nutzen, indem Güter aus dem Norden von Graz zuerst nach Graz beziehungsweise Werndorf gebracht und dann über die Koralmbahn weitergeführt werden.

Was bedeutet der Terminal für Anrainerinnen und Anrainer?

Kurzfristig bringt der Umbau natürlich Baustellenverkehr mit sich. Langfristig erwarten Gemeinde und Projektpartner aber eine Entlastung des Ortskerns, weil mehr Güterzüge und weniger Lkw mit schweren Ladungen durch das Gemeindegebiet rollen sollen. Gleichzeitig bleiben Arbeitsplätze im Ort erhalten und werden teilweise ausgebaut.

WICHTIG: ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR – Sollten Ihnen Fehler im Text auffallen, oder Sie als Projektpartner oder Expert:in etwas ergänzen wollen, gerne bei uns per Mail melden!

 

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