Neuer Advent-Brauch in Österreich: Warum Wichteln gerade einen Mega-Boom erlebt

In Büros, Schulklassen, Vereinen und WhatsApp-Gruppen – ganz Österreich wichtelt. Vom klassischen „Engerl-Bengerl“ bis zur nachhaltigen Wichtel-Challenge für den guten Zweck: Wichteln ist vom vermeintlich „altmodischen“ Brauch zum Social-Media-tauglichen Advent-Highlight geworden.

1. Was ist Wichteln eigentlich – und woher kommt der Brauch?

Wichteln ist ein gemeinschaftlicher Geschenketausch in der Vorweihnachtszeit. Durch zufällige Auslosung wird für jede Person eine andere Person bestimmt, die sie beschenkt – meist anonym. Am Ende haben alle exakt ein Geschenk gegeben und eines bekommen.

Seinen Ursprung hat das Wichteln im skandinavischen Raum, wo der Brauch als „Julklapp“ bekannt ist. Der deutsche Begriff bezieht sich auf den „Wichtel“, eine Sagengestalt, die heimlich Gutes tut. In Österreich ist Wichteln regional auch als „Engerl-Bengerl“ bekannt: Jemand schlüpft in die Rolle eines „Engerls“ und macht seinem „Bengerl“ im Advent anonym kleine Freuden.

2. Warum Wichteln in Österreich gerade so beliebt ist

2.1 Gegen den Geschenk-Stress

Statt zehn verschiedenen Personen je ein Geschenk zu besorgen, konzentrierst du dich beim Wichteln nur auf eine Person. Das reduziert Stress, spart Geld – und trotzdem fühlt sich niemand vergessen. Perfekt für Büros, Vereine, Schulklassen und große Freundeskreise.

2.2 Social Media & „Wichtel-Content“

Auf TikTok, Instagram & Co. boomen Reels und Posts rund um Wichtelgeschenke, „Unboxing“-Momente und DIY-Ideen. Menschen zeigen, wie sie mit Mini-Budget originelle, lustige oder emotionale Geschenke basteln. Das inspiriert und löst neue Wichtelrunden aus – von der Lehrlingsgruppe bis zur Eltern-WhatsApp-Gruppe.

2.3 Nachhaltigkeit & bewusster Konsum

Viele in Österreich haben weniger Lust auf Konsum-Overload und „Pflichtgeschenke“. Wichteln passt ideal zu einem bewussteren Lebensstil: lieber ein gut überlegtes Geschenk als viele unpersönliche Kleinigkeiten. Immer beliebter: gebraucht, selbstgemacht, regional und fair.

2.4 Charity & Zusammenhalt

Immer mehr Unternehmen, Schulen und Vereine organisieren Charity-Wichteln: Dabei werden Wunschzettel von Kindern, sozialen Einrichtungen oder bedürftigen Familien gezogen und erfüllt. Aus einem Spaß-Brauch wird eine starke solidarische Geste – gerade in Städten wie Wien, Graz oder Linz.

 

3. Die wichtigsten Wichtel-Arten im Überblick

Wichteln ist längst mehr als nur zufälliger Geschenketausch. In Österreich und im DACH-Raum haben sich unterschiedliche Varianten etabliert – von romantisch bis total verrückt.

Wichtel-Art So funktioniert’s Passt gut zu …
Klassisches Wichteln / Engerl-Bengerl Du ziehst eine Person und beschenkst sie geheim innerhalb eines festgelegten Budgets. Familie, Freundeskreis, kleinere Teams, Schulklassen
Mottowichteln Alle Geschenke folgen einem Motto (z. B. „kulinarisch“, „handgemacht“, „nur regional“). Kreative Gruppen, Vereine, Studierende
Schrottwichteln Alle bringen ungeliebte, kuriose oder nutzlose Dinge von zuhause mit – der Spaß steht im Vordergrund. Weihnachtsfeiern, WGs, Vereine mit Humor
Nachhaltiges Wichteln Erlaubt sind nur Second-Hand, selbstgemachte oder nachhaltig produzierte Geschenke. Umweltbewusste Teams, Schulen, NGOs
Charity-Wichteln Statt sich gegenseitig zu beschenken, werden Wünsche von bedürftigen Personen erfüllt. Unternehmen, Gemeinden, größere Vereine
Online-/Remote-Wichteln Auslosung erfolgt über Apps oder Online-Generatoren, Geschenke werden verschickt oder bei Video-Calls ausgepackt. Remote-Teams, Fernfreundschaften, internationale Gruppen

 

3.1 Klassisches Wichteln / Engerl-Bengerl

Die bekannteste Form: Alle Namen kommen in einen Topf oder werden online eingetragen, es wird ausgelost, und jede Person kümmert sich um ein Geschenk. Meist gibt es ein Budget von 5–20 Euro. Ausgepackt wird bei der Weihnachtsfeier, beim Punsch oder gemütlich im Wohnzimmer.

3.2 Mottowichteln – wenn es richtig kreativ werden soll

Beim Mottowichteln gibt es eine klare Leitlinie: „nur Essbares“, „nur Grün“, „unter 10 Euro“, „nur aus Österreich“, „nur selbstgemacht“ usw. Das macht den Austausch persönlicher und sorgt für Gespräche – ideal für Gruppen, die sich besser kennenlernen wollen.

3.3 Schrottwichteln – der Humor-Klassiker

Beim Schrottwichteln werden ungeliebte oder skurrile Dinge mit Augenzwinkern verschenkt. Von der hässlichen Vase bis zum absurd bedruckten T-Shirt ist alles erlaubt, was niemand mehr wirklich braucht. Wichtig: Es soll lustig sein, nicht verletzend – und nichts Kaputtes oder Ekelhaftes.

3.4 Charity-Wichteln – schenken für den guten Zweck

Hier ziehen Teilnehmer:innen meist anonyme Wunschzettel von Kindern, Hilfsorganisationen oder sozialen Projekten. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten wird diese Form immer populärer: Man hat den Spaß des Wichtelns – und hilft gleichzeitig Menschen, die Unterstützung brauchen.

3.5 Wichteln mit Kindern

In Volksschulen, Kindergärten und Horten wird Wichteln genutzt, um Kindern den Wert des Teilens zu zeigen. Budget und Erwartungen müssen niedrig bleiben, einfache Ideen wie Zeichnungen, Basteleien, kleine Bücher oder Stifte funktionieren besonders gut.

 

4. Nachhaltig schenken: Green Wichteln & Zero-Waste-Ideen

Nachhaltigkeit ist längst im Advent angekommen. „Green Wichteln“ vermeidet Wegwerfprodukte und setzt auf sinnvolle, langlebige oder verbrauchbare Geschenke.

  • Second-Hand-Schätze: gut erhaltene Bücher, Brettspiele, Vintage-Tassen, Deko.
  • Selbstgemachtes: Kekse, Granola, Sirup, Marmelade, Duftkerzen, Badesalz.
  • Zero-Waste-Produkte: Stofftaschen, Trinkflaschen, Bienenwachstücher, feste Seifen & Shampoos.
  • Erlebnisse statt Dinge: Einladung auf einen Punsch, Spieleabend, Spaziergang am Adventmarkt.
  • Lokale Produkte: Honig, Spezialitäten vom Bauernmarkt, Handwerk vom Adventmarkt.

Auch bei der Verpackung wird immer öfter umgedacht: Stoffreste, Jutesackerl, alte Gläser oder Zeitungspapier ersetzen klassisches Geschenkpapier – das spart Müll und kann richtig stylisch aussehen.

 

5. Digitaler Trend: Online-Wichteln & Wichtel-Apps

Immer mehr Wichtelrunden laufen digital. Gerade wenn Freundeskreise oder Teams über ganz Österreich oder international verstreut sind, helfen Online-Tools und Apps:

  • Online-Auslosung: Namen eingeben, Zufallsgenerator starten, jede Person bekommt ihren Wichtel per E-Mail oder Link.
  • Wunschlisten: Die beschenkte Person kann Ideen hinterlegen – das macht die Geschenke treffsicherer.
  • Remote-Feiern: Pakete rechtzeitig verschicken und bei einem Video-Call gemeinsam auspacken.
  • Datenschutz & Komfort: Moderne Tools vermeiden doppelte Ziehungen (z. B. Paare) und erleichtern die Organisation.

So wird Wichteln auch im Homeoffice oder im internationalen Team zum verbindenden Ritual – perfekt, um trotz Distanz ein gemeinsames Adventgefühl zu schaffen.

 

6. So organisierst du eine perfekte Wichtelrunde

6.1 Die Basics klären

  • Teilnehmende festlegen: Wer macht fix mit? Besser einmal weniger, als später Absagen.
  • Budget vereinbaren: Typisch sind 5–20 Euro. In Schulklassen eher weniger, im Büro je nach Team.
  • Termin definieren: Weihnachtsfeier, Punschstand, Adventsonntag – Hauptsache, alle können.
  • Wichtel-Art wählen: klassisch, Motto, Schrott, nachhaltig oder Charity.

6.2 Faire Auslosung

  • Analog: Namen auf Zettel, falten, mischen, ziehen – und sofort geheim einstecken.
  • Digital: Wichtel-Generator oder App nutzen; dort lassen sich auch Paare oder Chefs ausnehmen.

6.3 Klare Spielregeln

  • Welche Art von Geschenken passt zu eurer Runde? Eher ernst, lustig oder gemischt?
  • Gibt es ein Motto oder No-Gos (z. B. Alkohol, zu Persönliches, Politisches)?
  • Bis wann müssen die Geschenke bereit bzw. verschickt sein?

 

7. Typische Fehler – und wie du sie vermeidest

  • Zu spätes Organisieren: Wer erst kurz vor Weihnachten startet, riskiert Stress und leere Regale.
  • Unklares Budget: Wenn manche um 5 Euro und andere um 30 Euro schenken, wirkt es unfair.
  • Unpassende Geschenke: Zu intime oder grenzwertige Präsente können peinlich werden – lieber humorvoll, aber respektvoll.
  • Niemand erklärt die Regeln: Besonders bei neuen Mitarbeitenden oder Kindern muss das Prinzip einmal klar erklärt werden.
  • Vergessene Geschenke: Handy-Reminder setzen – und für Notfälle ein neutrales Reservegeschenk bereithalten.

 

8. Fazit: Wichteln als moderner Community-Brauch

Wichteln ist im österreichischen Advent endgültig im Jahr 2025 angekommen: Es verbindet Gemeinschaft, Humor, Nachhaltigkeit und Solidarität. Ob als „Engerl-Bengerl“ in der Schule, Schrottwichteln in der WG, Mottowichteln im Büro oder Charity-Wichteln im Unternehmen – der Brauch wird vielfältiger, kreativer und sozialer.

Kein Wunder, dass Wichteln in Social Media trendet: Es liefert Emotionen, Lacher und echte Geschichten – genau das, worauf Menschen in einer oft hektischen Vorweihnachtszeit klicken, reagieren, kommentieren und das sie gerne teilen.

 

9. FAQ: Häufige Fragen zum Wichteln im Advent

Wie viel sollte ein Wichtelgeschenk kosten?

In vielen österreichischen Wichtelrunden liegt das Budget zwischen 5 und 20 Euro. In Schulklassen reichen oft schon 3–5 Euro, im Büro darf es je nach Situation etwas mehr sein. Wichtig ist, dass alle mit dem Betrag gut leben können.

Welche Wichtel-Art eignet sich am besten fürs Büro?

Für Büros sind klassisches Wichteln oder Mottowichteln ideal – etwa „nur Essbares“, „nur für den Schreibtisch“ oder „nur Dinge, die gute Laune machen“. Schrottwichteln funktioniert gut, wenn der Humor im Team passt und vorher klare Grenzen definiert werden.

Ab welchem Alter macht Wichteln mit Kindern Sinn?

Ab Volksschulalter können Kinder gut mitmachen, wenn Budget und Erwartungen realistisch sind. Geschenke sollten einfach, günstig und verständlich sein. Pädagog:innen oder Eltern helfen bei Organisation und Erklärung, damit niemand sich ausgeschlossen fühlt.

Was sind beliebte nachhaltige Wichtelgeschenke?

Beliebt sind wiederverwendbare Trinkflaschen, Stofftaschen, Bienenwachstücher, feste Seifen, selbstgemachte Kekse, Gewürzmischungen, Badezusätze im Glas, regionaler Honig oder gemeinsame Erlebnisse. Alles, was lange hält, verbraucht wird oder Müll vermeidet, passt gut.

Wie funktioniert Online-Wichteln im Remote-Team?

Eine Person legt online eine Wichtelgruppe an, trägt alle Namen ein und startet die Auslosung. Jede teilnehmende Person bekommt ihren Wichtel per E-Mail oder Link, verschickt das Geschenk per Post, und bei einem gemeinsamen Video-Call wird alles gleichzeitig ausgepackt.

Was tun, wenn jemand sein Wichtelgeschenk vergisst?

Am besten hält die Gruppe eine kleine Notfall-Reserve bereit – neutrale Kleinigkeiten wie Schokolade, Kerzen oder Gutscheine. So geht niemand leer aus, und das eigentliche Geschenk kann später nachgereicht werden.

Muss Wichteln anonym sein?

Traditionell ja, denn das Rätseln, wer wen bewichtelt hat, macht einen großen Teil des Reizes aus. Viele Gruppen lüften aber am Ende die Identität – zum Beispiel beim letzten Engerl-Bengerl-Moment. Wichtig ist, dass sich die Gruppe vorab auf eine Variante einigt.

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Verfasst von Redaktion

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