Wenn Andy Borg, der österreichische Schlagersänger und neue Leiter des "Musikantenstadels" bei diesen TV-Sendungen seine Musikanten aufmarschieren lässt, so hat das Dargebotene meist nicht sehr viel mit österreichischer Volksmusik zu tun, manchmal vielleicht mit volkstümlicher Musik.
Volksmusik ist Brauchtumsmusik, entstanden aus traditioneller Alpenhausmusik, unbekannten Ursprungs und weitergereicht von Generation zu Generation. Unverfälschte Volksmusik, abseits von Kitsch und Kommerz, ist Österreichs großer Schatz, ein fixer Bestandteil österreichischer Identität, den es zu bewahren und zu fördern gilt.
Vor der Zeit von Film, Fernsehen und Internet kamen Menschen, meist in bäuerlicher Umgebung, zusammen, um gemeinsam Musik in der Stube, also Stubenmusik, zu machen. Ihre ganz persönliche und traditionelle Volksmusik zu pflegen und weiterzugeben, war ihnen ein Bedürfnis. In den dunklen Wintermonaten, in denen die Feldarbeit ruhte, wurden so manche neue, treffende Gstanzln zu dem vorhandenen Liedgut erfunden oder ein neues Musikinstrument gekauft oder angefertigt.
Das Flügelhorn, die Tuba, die Posaune, die Knopfharmonika gehörten immer schon zu den Volksmusikabenden, ebenso wie die Geige, der Kontrabass, die Querflöte, die Trommel und die Zither. Zu den traditionellen Instrumenten zählten auch die Gitarre, die Klarinette, die Okarina aus Ton, die Seitlpfeifen und das Hackbrett. Es gab immer wieder genug Anlässe, um die österreichische Volksmusik zu pflegen und die Freude an den traditionellen Stücken weiterzugeben.
Die sogenannte Bradlmusik z.B. entstand aus der Not des Bradlgeigers, der sich durch eifriges Spielen im Wirtshaus ein Bradl - einen Braten - verdienen wollte. In den alten Zeiten war auf dem Land Musik die einzige Form der Unterhaltung. Man fand sich ein zu Hausmusik in der Familie und mit Freunden und die alten Weisen wurden so den Kindern beigebracht.
Volksmusik war in alten Zeiten und ist es bis zur Gegenwart Begleitung bei verschiedenen feierlichen, dörflichen Anlässen wie beim Volkstanzen, bei den Sonnwendfeiern, Volksmusikabenden oder Almfesten. In den Bergen entstand auch der Jodler, ursprünglich eingesetzt zur Verständigung von Berg zu Berg und für den angeblich eine besondere physische Veranlagung erforderlich ist. Diese Jodler und Juchzer begleiten auch die jährlichen Almabtriebe und sind immer auch etwas Besonderes, wenn sie von begabten Könnern ausgeführt werden.
Alpenländische Volksmusik wird von den Trachtenmusikkapellen beim traditionellen Bandltanz gespielt, bei Volksmusikantentreffen und Musikantenstammtischen. Schützenkapellen und Trachtenmusikkapellen gelten erst dann als vollständig, wenn sie von einer Marketenderin angeführt werden. Österreichische Volksmusik ist aber nicht immer laut; bei Adventabenden und kirchlichen Anlässen, wie Hochzeiten, kirchlichen Festtagen, Bauernmessen und Begräbnissen kann immer auch eine innige und stilechte Art des Musizierens erlebt werden.
Fernsehsendungen in Österreich über heimische Volksmusik helfen mit, das österreichische musikalische Brauchtum zu verbreiten und zu bewahren. Die Sendung "Klingendes Österreich" mit Sepp Forcher trägt ganz besonders dazu bei. Seit mehr als 20 Jahren begibt er sich mit seinen Sendungen auf Wanderschaft quer durch Österreich und Südtirol, um nicht nur die schönsten Landschaften zu entdecken, sondern auch um echte österreichische Brauchtumsmusik aufzuspüren und vorzustellen. Jedes Land hat seine traditionelle Volksmusik. Schon während des 2. Weltkrieges wurde österreichische, traditionelle Musik in Amerika bekannt gemacht. Eine der berühmtesten Familien Österreichs, die Trappfamilie, eine musikalische Großfamilie, die vor dem Nazi-Regime nach USA flüchtete, tourte über viele Jahre durch Amerika und andere Länder und verbreitete österreichisches Liedergut. Der Bekanntheitsgrad, den diese Familie, die sich der Bewahrung österreichischer Volksmusik verpflichtet fühlte, wurde schließlich so groß, dass nach ihren Erlebnissen nicht nur ein österreichischer Film, sondern auch ein amerikanisches Filmmusical mit Julie Andrews in der Hauptrolle als singende, ehemalige Nonne gedreht wurden. Dieser amerikanische Film ist heute noch populärer als die meisten Österreicher ahnen. "Sound of Music" Fanclubs erfreuen sich in der ganzen Welt regen Zuspruchs und immer noch werden in Salzburg beliebte Bustouren mit Besuchern aus dem Ausland zu den ehemaligen Filmdrehplätzen organisiert.