Die Wege, die einen zu seinem Beruf gebracht haben, sind oft verschlungen. Viele arbeiten nicht in jenem Berufsfeld, für das sie ursprünglich ausgebildet wurden. Eine gute Ausbildung ist aber immer von Vorteil, auch wenn sie in einer anderen Fachrichtung abgeschlossen wurde. Die Fähigkeit, sich Wissen anzueignen und es praktisch umzusetzen, ist in jedem Beruf wichtig. Der Bildungsweg wird in Grundbildung, Sekundarbildung (Unterstufe und Oberstufe), Postsekundäre Bildung und Tertiäre Bildung unterschieden. Life Long Learning bezeichnet das stete Erfordernis der Weiterbildung in allen Lebensphasen.
Ausbildung im Vorschulalter
Die Grundsteine für spätere Fähigkeiten werden schon im Kleinkindalter gelegt. In der Phase der Frühsozialisation bestimmt das familiäre Umfeld, über welche Werte und sozialen Grundlagen ein Mensch verfügt. Im Kindergarten werden weitere soziale Erfahrungen gesammelt. Man sieht also, dass schon weit vor dem Schulalter wichtige Lernerfolge erzielt werden und die Schule bei weitem nicht für alle Probleme im Bildungssystem verantwortlich ist.
Die Volksschule
Die Volksschule ist eine Pflichtschule und dauert in Österreich 4 Jahre. Sie ist eine Gesamtschule für alle Burschen und Mädchen. Sie ist nicht ident mit der deutschen Grundschule, die länger dauert und wo die Lehrer Akademiker sein müssen. Es gibt private und öffentliche Volksschulen. In privaten Schulen gibt es Aufnahmetests und der Besuch ist kostenpflichtig. Der Fremdsprachenunterricht beginnt meist in der zweiten oder dritten Klasse. Es gibt auch einige zweisprachige Schulen. Dort wird Deutsch in Kombination mit zB Englisch, Französisch, Russisch oder Türkisch unterrichtet.
Hauptschule und Gymnasium
Nach der Volksschule (VS) teilt sich das Bildungssystem in Hauptschule (HS) und Gymnasium (AHS, Gym). Während die Hauptschule die einfachere Schule ist und noch weiter in A und B-Zug unterschieden wird, gehen begabtere Kinder tendenziell eher ins Gymnasium, wo meist Aufnahmeprüfungen vorgeschrieben sind. Im städtischen Bereich ist diese Unterteilung ausgeprägter als im ländlichen Raum, wo die Hauptschule oft eine de fakto Gesamtschule ist. Im Gymnasium werden neusprachliche, naturwissenschaftliche, musische oder eine sportliche Ausrichtung unterschieden. Die Hauptschule endet nach vier Jahren. Danach steht der Weg ins sogenannte Polytechnikum (polytechnische Schule), in eine Lehre oder in die Oberstufe des Gymnasiums offen. Im Gymnasium führt der Weg über weitere vier Jahr Oberstufe bis zur Matura (Deutschland: Abi, Abitur). Mit der Matura ist der Beginn eines Studiums möglich. Die überwiegende Mehrheit aller Maturanten schlägt nach der Maturareise auch diesen Weg ein. Mit einer eigenen Studienberechtigungsprüfung steht auch Lehrlingen und Menschen ohne Matura die universitäre Ausbildung offen.
Die Lehre
Lehrberufe sind allgemein im Rückgang. Von politischer Seite wird mittels Lehrlingsförderung und PR-Arbeit (Karriere mit Lehre) versucht, das angeschlagene Image zu verbessern und Betriebe zur Einstellung neuer Lehrlinge zu ermutigen. Auch die Schaffung neuer Lehrberufe soll die Konkurrenzfähigkeit dieses Ausbildungsweges erhöhen. Potentielle Lehrbetriebe sehen bürokratische Hürden (Lehrbefähigungsnachweis, arbeitsrechtliche Bestimmungen) und den starken Kündigungsschutz der Lehrlinge als größtes Argument gegen die Einstellung von Lehrlingen. Besondere Förderungen gibt es für weibliche Lehrlinge in Berufen mit geringem Frauenanteil.
HTL, HAK, HBLA
Wer nach der Unterstufe nicht eine allgemein bildende, höhere Schule (AHS) besucht, dem steht auch ein breites Spektrum an berufsbildenden, höheren Schulen zur Verfügung. Zu nennen wären hier die Handelsakademie (HAK), die höhere technische Lehranstalt (HTL) sowie die nicht-technische höhere Bundeslehranstalt zur Verfügung. Diese Schulen dauern mit fünf Jahren ein Schuljahr länger als die AHS. Sie schließen ebenfalls mit der Matura ab und berechtigen mit dem Maturazeugnis zum ordentlichen Studium. Passen absolvierte Fachrichtung und Studienrichtung zusammen, werden teilweise einzelne Prüfungen der Studieneingangsphase angerechnet.
Fachschulen
Berufsbildende mittlere Schulen (BMS) sind Fachschulen, die mit einer Dauer von 3 bis 4 Jahren eine ähnliche Ausrichtung wie HTL, HAK & Co haben, jedoch nicht mit der Matura abschließen. Es gibt technische, gewerbliche und kunstgewerbliche mittlere Schulen, kaufmännische mittlere Schulen, humanberufliche mittlere Schulen, mittlere land- und forstwirtschaftliche Schulen sowie die Fachschule für Sozialberufe.
Sonderschulen
Sonderschulen dienen zur Integration und Förderung von Kindern mit besonderem sonderpädagogischem Förderungsbedarf, sei es aufgrund physischer oder psychischer Handicaps oder körperlicher Behinderungen.
Berufswahl, Beschäftigungsarten
Ganz egal, welche Schultypen jemand durchlaufen hat, die Wahl des richtigen Berufs ist nicht einfach. Ein Beruf soll langfristig Spaß machen und ein gesichertes Einkommen versprechen. Viele beliebte Berufsfelder sind mit einem Rückgang der klassischen Beschäftigung konfrontiert. Atypische Beschäftigungsverhältnisse sind auf dem Vormarsch. Dazu zählen geringfügig Beschäftigte, freie Dienstnehmer, Teilzeitbeschäftigte, neue Selbstständige, in Deutschland die Ich-AG sowie Werkverträge (Werkvertragsnehmer) und Praktika (Praktikanten). Vorteile diese Beschäftigungen ist eine oft flexiblere Zeiteinteilung und die Möglichkeit des Vereinens mehrerer Jobs. Auf der anderen Seite kann aus diese "Möglichkeit" aufgrund geringer Entgelte auch ein Muss werden. Zusätzlich gilt es Lücken in der Krankenversicherung sowie in der Pensionsversicherung zu vermeiden. Befinden sich Arbeiterinnen und Arbeiter bzw. Angestellte ungewollt in diesen atypischen Beschäftigungen, arbeiten sie oft hart an der Armutsgrenze. Man spricht von Working-Poor (arbeitenden Armen).
Jobsuche und Arbeitslosigkeit
In jedem Fall ist die Jobsuche in vielen Berufen nicht leicht. Die Arbeitslosigkeit steigt. Besondere Problemfälle sind die Jugendarbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslose sowie die strukturelle Arbeitslosigkeit. Bei letzterer gibt es viele Arbeitslose aber auch viele Jobangebote. Die Fähigkeiten der Arbeitslosen passen aber nicht mit den Anforderungen und Jobprofilen zusammen. Umschulungsmaßnahmen versuchen dem entgegen zu wirken.